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Der Markt als anthropologische Konstante

Wer heute „Markt“ sagt, steht sofort unter Generalverdacht. Der Markt gilt als kalt und seelenlos, ein Instrument der Mächtigen. Dabei ist der Markt eine gesellschaftliche Errungenschaft ersten Grades. Markt heißt: ich will haben, was du hast. Aber ich nehme es dir nicht einfach weg und bringe dich auch nicht deswegen um. Statt dessen mache ich dir ein Angebot. Die Geburtsstunde der Kooperation und der Schritt heraus aus dem triebgesteuerten animalischen.

Dass der Markt dennoch bis heute angeprangert statt gefeiert wird, hängt auch mit Marx zusammen, der den Markt despotischem Gestaltungswillen geopfert hat. Er war wohl der kälteste Ökonom aller Zeiten, denn der Mensch kommt in seinen ökonomischen Schriften (anders als in den politischen) nicht vor. Seine Werttheorie ignoriert den Markt und damit die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen.

Marx: Der Wert einer Ware bemisst sich durch die in ihr vergegenständlichte Arbeit.
Aber: Der Wert einer Ware bemisst sich an dem, was andere bereit sind, dafür zu geben (Marx verwechselte Kosten und Wert). 

Wert und Preis fallen dann auseinander, wenn der Markt ausgeschaltet wird. Interessanterweise war im Sozialismus das effizienteste und exakteste Verteilungsinstrument der Schwarzmarkt.  

Oder so: Wieviel Arbeit auch immer in einem Trabi, in Microsofts Vista oder einem neuen Schokoriegel steckt – wenn’s keiner haben will, ist’s nix wert.

In diesem Zusammenhang erwähnenswert der „Ikea-Effekt“. Dan Ariely, Verhaltensökonom bezeichnet so die Tatsache, dass wir selbst gebautes höher bewerten als Konfektionsware. Daher auch der Erfolg der „Halbfertiggerichte“ (man streue noch etwas selbst geriebenen Parmesan über die Fertignudel).

In diesem Moment schaue ich auf den Greinberg, auf dem sich vor 3.000 Jahren eine riesige keltische Siedlung befand. Hockten mit ein paar Briten um eine Ladung Zinn herum, haben alles taxiert und schließlich mit goldenen Regenbogenschüsselchen bezahlt.

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