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Ich bin halt so

Ich ernte immer wieder äußersten Widerspruch, wenn ich Bücher zur Persönlichkeitsfindung und Lebensplanung bespreche und empfehle (auf www.Managementbuch.de). Von Fatalisten, die neurowissenschaftliche Erkenntnisse dahingehend interpretieren, dass uns das Gehirn unhintergehbar und unbeeinflussbar lenke, Persönlichkeitsentwicklung also nicht möglich sei. Womit sie rein erkenntnistheoretisch das Problem aufwerfen, Gehirn und Persönlichkeit zu trennen.

Oft zitiert in diesem Zusammenhang wird das Experiment des amerikanischen Neurophysiologen Benjamin Libet. Er hat nachgewiesen, dass ein Gehirnsignal, das sogenannte „Bereitschaftspotential“ einer bewussten Entscheidung um einige hundert Millisekunden vorausgeht. Daraus leiteten andere wiederum ab, dass „Willensfreiheit“ pure Illusion sei, dass das Gehirn entscheide, nicht das „Ich“. (Interessanter argumentiert man am Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience.)

Dermaßen Gehirn und „Ich“ zu spalten, ist natürlich abenteuerlich. Allerdings nicht neu. Passt vor allem vorzüglich zum religiösen Dogma, nicht wir, sondern der liebe Gott lenke uns. Auf dem staubigen Boden des Alltags angekommen heißt es dann „Halt den Ball flach!“, „Lehn dich nicht so weit aus dem Fenster!“, denn es ist töricht in Gottes Plan einzugreifen – bzw. unmöglich, das Gehirn zu überlisten. Und so gesehen macht Lebensplanung wenig Sinn. Da lob ich mir doch die Verhaltenstherapeuten mit ihrem schlichten Rat: Probiers mal anders! Ermutigung an alle: Lehnt euch aus dem Fenster, möglichst weit. Haltet den Ball nicht flach! 

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