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Beim Barte des Propheten

Wenn der Bart ab ist, ist Schluss mit lustig. Und wem keiner wächst, was gelegentlich bei Frauen vorkommt, hat gleich gar nichts zu lachen. Zwar gibt es nur noch wenige Refugien der Borniertheit wie den Berg Athos, auf dem das Barthaar als genetische Eintrittskarte fürs Heilige zählt, aber gerade weil der bärtige Mönch an sich gern seelig in Talkshowrunden und von Buchcovern herab lacht, ist es angebracht, sich immer mal wieder die Genese des grauen Filzes ins Bewusstsein zu rufen.  Es ging um Macht. Und damit um Ausschluss. Keinen anderen Zweck hatte der Bart, als die Frauen und die Jungen vom Zugang zum Heiligen auszuschließen (diese verdammte Wut auf die Gebärfähigen, auf die Zeugungsfähigen). In allen monotheistischen Religionen das gleiche Bild. Kleines Ego, langer Bart. Und wenn der Papst sich modisch zeigt, dann, weil er es, dank langem Stecken und großem Hut, nicht mehr nötig hat (die Idee mit dem großen Hut natürlich auch wieder abgekupfert: siehe die prächtigen „vorgeschichtlichen“ Goldhüte in den Museen Berlin und München).

Nun, heute ist der Bart ab, wenigstens in unseren Breiten. An seine Stelle ist der Kontostand getreten. Und die damit korrelierenden aufgeblendeten Xenonscheinwerfer bei 250 Sachen auf der Autobahn. Kleines Ego, großer Hubraum. Die ehrfürchtigen huschen mit pochendem Herzen auf die rechte Spur. Die Ketzer bleiben extra langsam links.      Es ist, hier wie da, das Blöde. Der kleine Mann spricht im Namen des Großen (Gott, Mercedes). Heraus hilft nur der Glaube an sich selbst. Denn nur daraus kann Verantwortung erwachsen.

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