Empört Euch nicht

Tourist are TerroristDie Empörung ist die Währung des kleinen Mannes. Er hat die Moral (seine Moral) im Rücken und bis auf den ausgestreckten Zeigefinger nicht viel zu bieten.

Empörung ist praktisch. Verpflichtet zu nichts. Zeigt, dass man auf der richtigen Seite steht. Und Empörung bewahrt vor allem davor, sich die Pfoten dreckig zu machen. Denn empören heißt, sich erhöhen, auf die Empore steigen. Um dann konsequenzlos andere abzukanzeln. Wer sich derart erhöht, entbindet sich davon, seinen Beitrag zu leisten, in den Ring zu gehen.

Julia Kristeva bezeichnet die „Empörung“ in einem interessanten Interview in FAZ.net (05.05.2013) sogar als „europäische Sünde“, als eine „von Abwehr und Zorn geprägte und jugendlich-unreife Reaktion, die keine glaubwürdige Alternative benennt, weil sie keinerlei Interaktion mit dem anderen vorsieht. Sie denkt nicht an den anderen. Es ist eine Haltung, die zum Dogmatismus verleitet; sie ist ihrem Wesen nach totalitär und todbringend. Die Empörung ist eine europäische Sünde, ein negativer Narzissmus.“ http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten/interview/julia-kristeva-im-gespraech-sprich-ueber-deine-schatten-12171496.html

Empörung setzt immer das ganz andere voraus. Das „so-wie-es-sein-sollte“. Es ist aber, wie es ist. Und wird anders nur, wenn wir es anders machen. Das geht nicht auf einmal (radikal), sondern Schritt für Schritt. Manchmal auch zwei Schritte zurück, kann sein. Vorsicht geboten ist vor allen Empörten. Die werden, sollten sie einmal das Sagen haben, nicht viel Federlesens machen, sondern kurzerhand abschaffen, was sie empört. Sie werden es einfach diktieren. Und die darüber empörten mundtot machen.